Die Tage werden kürzer und die Nächte wieder länger. Wie jedes Jahr lädt mich diese Zeit dazu ein, einen Gang runterzuschalten und den Blick bewusst nach innen zu richten. Nach intensiven, arbeitsreichen Wochen wende ich mich nun meinen eigenen Themen zu, vor allem dem Rückblick auf die vergangenen Monate und darauf, wie viel sich verändert hat, seit ich begonnen habe, mich wirklich um mich selbst zu kümmern.
Vielleicht kurz vorweg: Mein eigener Heilungsweg hat sich für mich nur selten wie ein „Weg“ angefühlt. Ehrlich gesagt hatte ich oft das Gefühl, auf der Stelle zu treten oder im Dunkeln zu tappen.
Da aber weder das eine noch das andere der Fall war, mache ich mir besonders gegen Ende des Jahres bewusst, wie weit ich tatsächlich gekommen bin. Die kleinen Schritte, die wir tagtäglich gehen, summieren sich zu einem großen Weg, auch wenn es sich nicht immer so anfühlt. Es lohnt sich also, ab und zu stehen zu bleiben und zurückzuschauen.
Ich habe auf meinem Heilungsweg gelernt, …
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… dass viel mehr Menschen mit dem Thema Essen kämpfen, als ich mir jemals hätte vorstellen können.
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… dass der Austausch mit Gleichgesinnten sehr heilsam ist, auch wenn er Überwindung kostet. Für mich war er der erste Schritt heraus aus der Parallelwelt, die ich mir während meiner Essstörung aufgebaut hatte.
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… dass die Aussage „Einmal Essstörung, immer Essstörung“ einfach nicht stimmt.
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… dass der Körper ein Wunderwerk ist und uns weit mehr verzeiht, als wir glauben.
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… wie wichtig es ist, „Nein“ zu sagen, um meine Grenzen zu wahren. Sehr geholfen hat mir dabei der Satz:
„Ein Ja zu anderen, das du eigentlich nicht so meinst, ist stets ein Nein zu dir selbst.“ -
… dass ein unbefangener Umgang mit Essen auch nach Jahren des Kampfes möglich ist.
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… dass Selbstliebe eine Praxis ist, der man sich jeden Tag annehmen darf, Essproblem hin oder her.
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… dass auf die eigene Intuition Verlass ist, auch wenn sie uns manchmal Dinge nahelegt, die zunächst verrückt erscheinen.
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… dass Heilung am Ende des Weges wartet, egal wie beschwerlich die Reise war. Entscheidend ist der Glaube daran, dass sie möglich ist.
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… dass es nicht normal ist, sich immer gut und happy zu fühlen.
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… dass man nicht von allen gemocht werden kann und dass der Wunsch, überall hineinzupassen, oft ein leiser Motor hinter einer Essstörung ist.
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… dass Hunger nicht erst mit Magenknurren beginnt, sondern mit den leisen Gedanken an die nächste Mahlzeit. Früher habe ich viel zu lange gewartet, bis ich mir Essen erlaubt habe, ein Fehler, den viele machen.
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… dass Yoga Fluch und Segen zugleich sein kann, heilsam, aber auch etwas, das man zur Kontrolle missbrauchen kann.
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… dass sich viele Menschen „anders“ fühlen und nicht hineinpassen und dass man damit selten wirklich allein ist.
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… dass jede meiner Reisen in die Ferne ein kleines Puzzleteil meiner Heilung war.
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… dass sich alles verändern kann, auch zum Positiven.
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… dass man Fehler der Vergangenheit nicht rückgängig machen kann, wohl aber alte Baustellen aufarbeiten und abschließen darf.
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… dass Hormone großen Einfluss darauf haben, wie ich mich in meiner Haut fühle und dass ich trotzdem wählen kann, wie sehr ich mich davon bestimmen lasse.
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… dass jeder Zweifel ein Ende hat, manchmal schnell, manchmal langsamer.
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… dass kein Mensch und keine Situation das Recht hat, mich zum Essen zu zwingen. Alles eine Frage der respektvollen Kommunikation.
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… dass ich es verdient habe, geliebt zu werden und ein gutes Leben zu führen, auch wenn ich lange daran gezweifelt habe.
Solltest du gerade das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten, lade ich dich ein: Nimm dir bewusst eine Tasse Tee oder Kaffee, halte inne und schau zurück auf deine eigene Reise. Ich bin sicher, dass sich mehr verändert hat, als du vielleicht gerade siehst.
Und jetzt bin ich neugierig. Was sind deine größten Learnings auf deinem bisherigen Heilungsweg? Teile sie gern in den Kommentaren, ich lese sie mit großem Interesse.
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