Es wäre gelogen zu sagen, dass das Thema Abnehmen in meiner Arbeit mit Klient·innen keine Rolle spielt. Das tut es und das ist auch in Ordnung so. Denn der Wunsch, Gewicht zu verlieren, darf sein. Vor allem wenn Übergewicht vorhanden ist, ist er nicht nur verständlich, sondern legitim. Ihn wegzudiskutieren oder moralisch zu bewerten wäre weder ehrlich noch hilfreich. Was ich jedoch nicht tue, ist ihn zum Ziel zu machen.
Denn in meiner Erfahrung steckt hinter dem Wunsch abzunehmen fast immer etwas anderes und genau dort müssen wir als erstes hinschauen.
Kennst du das auch? Auf der einen Seite willst du unbedingt gesund werden, auf der anderen Seite drehen sich die Gedanken trotzdem fast ausschließlich ums Gewicht. Dieser Zwiespalt ist real und er ist kein Zeichen dafür, dass etwas mit dir nicht stimmt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie erschöpfend es ist, beides gleichzeitig in sich zu tragen: den Wunsch nach Heilung und die Angst vor dem, was Heilung vielleicht mit sich bringen könnte.
Was dein Wohlfühlgewicht nicht ist
Gesellschaftliche Formeln und Indexwerte versuchen, das „richtige“ Gewicht in eine simple Rechnung zu pressen. Was dabei vollständig fehlt: der Mensch dahinter. Diese Definitionen sind pauschal, kontextlos und sagen herzlich wenig darüber aus, wie es dir wirklich geht. Die meisten von uns vertrauen solchen Maßstäben trotzdem mehr als dem eigenen Körper und genau das ist das Problem.
Auf dem Heilungsweg sollten Gewicht & Abnahme keine Rolle spielen
Einfacher gesagt als getan. Das Erreichen oder Aufrechterhalten eines bestimmten Körperideals ist bei den meisten Essproblemen ein zentrales Thema, das man nicht einfach per Knopfdruck hinter sich lassen kann. Viele Betroffene kennen den inneren Konflikt zwischen dem Wunsch nach Heilung und der Angst, die Kontrolle über das Gewicht zu verlieren.
Das Schwierige daran ist, dass Gewicht und Heilung oft miteinander verwechselt werden.
Während sich die Gedanken häufig um die Zahl auf der Waage drehen, geht es auf dem Heilungsweg zunächst um etwas anderes: den Körper wieder ausreichend zu versorgen, Vertrauen aufzubauen und eine neue Beziehung zum Essen zu entwickeln.
Heilung zeigt sich deshalb nicht in erster Linie auf der Waage. Sie zeigt sich darin, dass Essen weniger Raum im Kopf einnimmt, dass der ständige Kampf leiser wird und dass das Leben nach und nach wieder um mehr kreisen darf als um Gewicht, Kontrolle und die nächste Mahlzeit.
Was dein Wohlfühlgewicht sein kann
Für viele Menschen pendelt sich das Gewicht langfristig an einem stabileren Punkt ein, sobald sie anfangen, ihren Körper wieder besser zu versorgen. Wie dieser Prozess verläuft, ist jedoch sehr individuell und hängt von vielen Faktoren ab, die sich nicht immer beeinflussen lassen. Das ist keine Frage des Versagens, sondern der Komplexität des menschlichen Körpers.
Das sogenannte intuitive Wohlfühlgewicht beschreibt einen Zustand, in dem dein Körper bei einer für ihn ausgewogenen, intuitiven Ernährung gut funktionieren kann. Spannend ist hierbei, dass sich dieses Gewicht nicht im Vorfeld durch eine simple Rechnung bemessen lässt. Vielmehr kann es sich mit der Zeit herauskristallisieren und für viele Menschen relativ stabil bleiben. Es gibt ein paar Anzeichen, an denen du vielleicht erkennst, dass sich dein Wohlfühlgewicht eingestellt hat:
Für viele Menschen wird das Gewicht mit der Zeit stabiler. Das bedeutet nicht, dass es sich nicht mehr verändert, doch es scheint weniger anfällig für die Höhen und Tiefen des Alltags zu sein. Stressige Phasen, Urlaube, Veränderungen im Essverhalten oder beim Sport führen häufig nicht mehr zu denselben starken Schwankungen wie früher. Gleichzeitig nehmen die Gedanken rund um Essen und Gewicht immer weniger Raum im Leben ein.
Vier mögliche Merkmale deines persönlichen Wohlfühlgewichts
Mentales Wohlbefinden
Sobald dein Körper ausreichend genährt ist, kann sich das positiv auf deine Psyche auswirken. Viele Menschen berichten von mehr innerer Stabilität und einer größeren Widerstandsfähigkeit gegenüber den Herausforderungen des Alltags. Es kann das Gefühl entstehen, wieder mehr Zugang zu den eigenen Ressourcen zu haben und das Leben aktiver gestalten zu können.
Ausgeglichener Energiehaushalt
Ein Körper, der ausreichend versorgt wird, verfügt häufig über mehr Energie für die Anforderungen des täglichen Lebens. Das bedeutet nicht, dass es keine Schwankungen mehr gibt. Dennoch berichten viele Menschen von weniger Erschöpfung, einer stabileren Leistungsfähigkeit und einem ausgeglicheneren Energielevel im Alltag.
Emotionale Stabilität
Zu glauben, dass ein bestimmtes Körpergewicht auf Dauer glücklich macht, ist reines Wunschdenken. Viele Menschen erleben jedoch, dass mehr innere Ruhe entsteht, wenn der Körper ausreichend genährt und versorgt wird. Gedanken rund um Essen, Gewicht und Kontrolle verlieren häufig an Intensität, sodass Gefühle weniger von diesen Themen bestimmt werden. Wie dieser Prozess aussieht, ist individuell und lässt sich nicht an einer bestimmten Zahl auf der Waage festmachen.
Die Rolle der Zahlen tritt in den Hintergrund
Auch wenn du es dir aktuell vielleicht nur schwer vorstellen kannst: Die Zahl auf der Waage kann mit der Zeit an Bedeutung verlieren. Andere Veränderungen rücken stärker in den Vordergrund: ein stabileres Körpergefühl, eine entspanntere Beziehung zum Essen und die Erfahrung, dass sich das Leben nicht mehr ständig um Gewicht und Kontrolle drehen muss. Viele Menschen stellen fest, dass diese Veränderungen langfristig wichtiger werden als die Zahl auf der Waage.
Was das für Menschen mit starkem Übergewicht bedeutet
Viele Menschen mit starkem Übergewicht haben bereits unzählige Versuche hinter sich, abzunehmen. Diäten, Verzicht, Kalorienzählen, ständig neue Hoffnungen und trotzdem landet man oft wieder an demselben Punkt. Das ist frustrierend und irgendwann beginnt man zu glauben, mit einem selbst stimme etwas nicht. Doch so einfach ist es nicht.
Der menschliche Körper ist deutlich komplexer, als viele Diätversprechen uns glauben machen wollen. Er lässt sich nicht beliebig formen und kontrollieren. Deshalb kehrt verlorenes Gewicht bei vielen Menschen immer wieder zurück. Die Regulierung des Körpergewichts ist ein komplexer Prozess, auf den zahlreiche Faktoren Einfluss nehmen.
Nicht jeder Körper wird nach den eigenen Wunschvorstellungen abnehmen, wenn er besser versorgt wird. Und das offen zu sagen ist mir wichtig, denn falsche Versprechen helfen niemandem.
Was sich jedoch verändern kann, ganz unabhängig vom Gewicht, ist die Beziehung zum eigenen Körper und zum Essen. Der ständige Kampf kann leiser werden und die ermüdende Kontrolle kann an Bedeutung verlieren. Es kann mehr Vertrauen und ein besseres Verständnis für die eigenen Bedürfnisse entstehen, wodurch viele mehr Frieden mit dem eigenen Körper empfinden. Und manchmal ist genau das die Veränderung, nach der wir eigentlich die ganze Zeit gesucht haben.
Fazit
Das persönliche Wohlfühlgewicht zeichnet sich für viele Menschen dadurch aus, dass es konstanter wird. Ich weiß noch genau, wie mein Gewicht früher von äußeren Einflüssen schnell beeinflusst war, stressige Phasen trieben die Zahlen nach oben, im Urlaub erlebte ich eher das Gegenteil. Heute erlebe ich deutlich mehr Stabilität als früher, aber ich sage das nicht als Versprechen, sondern als meine persönliche Erfahrung. Wie dieser Weg für dich aussieht, kann anders sein, und das macht ihn nicht weniger richtig.
Mit „stabiler“ meine ich nicht, dass der Zeiger auf der Waage still steht, jeder Körper unterliegt natürlichen Schwankungen. Unterm Strich geht das Gewicht jedoch weder stark nach oben noch extrem nach unten.
Wenn du das Gefühl hast, dass du dabei Begleitung brauchst, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstkenntnis. Das kann therapeutische Unterstützung bedeuten, Coaching, oder beides.
Genau das erarbeiten wir in meinem psychologischen Coaching. Durch meine einzigartige Methode aus wissenschaftlich fundierter psychologischer Arbeit in Kombination mit yogischen Inhalten lernst du, dich von innen heraus zu nähren und ein leidfreies Essverhalten zu entwickeln. Melde dich gerne für ein unverbindliches und kostenloses Kennenlerngespräch.
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