Die einen lieben sie, andere wiederum hassen sie und dazwischen scheint es ebenfalls viele Meinungen zu geben. Die Rede ist von der Meditation. Zugegeben: Auch ich war mir zunächst nicht sicher, was ich von dem Herzstück der Yogapraxis halten sollte und vor allem habe ich mich immer wieder gefragt: Wie meditiert man eigentlich “richtig”? In diesem Artikel verrate ich dir, wie du es dir beim Meditieren leichter machen kannst und somit auch dranbleibst.
Wusstest du, dass das eigentliche Ziel vom Yogaüben gar nicht die perfekte Ausführung der Körperstellungen ist?
Vielmehr geht es darum, Haltung für Haltung den Körper auf die Meditation vorzubereiten. Das langsame Öffnen verschiedener Bereiche soll Schmerzen jeglicher Art vorbeugen, um unnötige Ablenkung während des langen Sitzens zu vermeiden. Zudem unterstützt eine aufrechte Körperhaltung den Fluss der Atmung, was sich wiederum positiv auf den Geist auswirkt.
So viel zur Theorie, bleibt dennoch die Frage: Wie meditiert man denn nun richtig? Lass uns dazu erstmal genauer anschauen, wieso wir eigentlich meditieren.
Meditation dient dem „Sein im Hier und Jetzt“
Beim Meditieren geht es darum, das alltägliche Gedankenchaos zu beruhigen, um den gegenwärtigen Moment – so wie er tatsächlich ist – wahrzunehmen. Ohne dabei in die Vergangenheit oder Zukunft abzuschweifen.
Was eigentlich recht einfach klingt, erweist sich in der Praxis jedoch häufig als große Herausforderung. Vor allem dann, wenn wir versuchen etwas zu erzwingen und uns für einen viel zu langen Zeitraum verpflichten. Viele glauben aber, dass sie mindestens 30 Minuten still sitzen müssen, um “richtig” zu meditieren. Das ist nicht der Fall! Es gibt ganz unterschiedliche Formen der Meditation, von denen keine “besser” oder “schlechter” ist.
Richtig meditieren bedeutet nicht, 30 Minuten still zu sitzen
Im Folgenden zeige ich dir eine Technik, deren Umsetzung super leicht gelingt: die sogenannte Anapana Meditation. Eine simple Methode, die der buddhistischen Vipassana Meditation entstammt.
Du stehst gerade mit deiner Meditationspraxis auf Kriegsfuß?
Dann leg ich dir ans Herz, dieser Form der Meditation eine Chance zu geben. Sie wird dir dabei helfen, dein Monkey-Mind zu bändigen, ohne einen weiteren spirituellen Nervenzusammenbruch zu erliegen. Denn so fühlten sich meine ersten Gehversuche mit der Meditation oftmals an. Bevor wir loslegen, allerdings noch ein wichtiger Hinweis:
Richtig Meditieren ≠ Gedankenleere
Obwohl sich diese Überzeugung hartnäckig hält: Den Kopf wirklich frei von allen Gedanken zu bekommen, ist gerade zu Beginn der Praxis utopisch. Gedanken sind die feinste Manifestation unseres Atems, dem Träger unserer Lebensenergie (Prana) und es bedarf jahrelanger Übung, diese Verbindung bewusst zu kontrollieren.
Hier ein ganz praktisches Beispiel: Halte kurz die Luft an und beobachte dabei, ob und was du denkst.
Nichts? Kein Wunder, denn in der Regel fällt es uns schwer, während des Luftanhaltens Gedankensträngen zu folgen. Da wir bei der Meditation jedoch weiteratmen und das auch sehr bewusst, dreht sich auch unser Gedankenkarussell weiter.
Du wirst zwar während der Meditation immer mal wieder Momente erleben, in denen du sehr fokussiert bist, diese können mit der Zeit auch länger werden, doch die Vorstellung einer dauerhaften Gedankenleere führt gerade für Neulinge eher zu Frustration. D.h. fokussiere dich nicht darauf, nicht zu denken. Konzentriere dich vielmehr darauf, deine Gedanken fließen zu lassen.
Wie meditiert man richtig? So geht’s:
- Bring deinen Körper zunächst in eine angenehme Sitzposition, eventuell mit gekreuzten Beinen. Du kannst dich auch auf einen Stuhl setzen oder an einer Wand anlehnen. Wichtig ist, dass du so bequem und aufrecht wie möglich sitzen kannst.
- Deine Hände ruhen entspannt auf den Knien oder den Oberschenkeln, wobei es egal ist, ob deine Handflächen nach oben oder unten zeigen. Entscheide intuitiv, was für dich in diesem Moment stimmig ist.
- Wenn du möchtest, dann bring nun deinen Daumen und Zeigefinger der jeweiligen Hand zusammen (Handfläche zeigen nach oben Chin Mudra; Handflächen zeigen nach unten Jnana Mudra) und schließe deine Augen. Richte deinen Rücken gerade auf und entspanne deine Schultern nach unten.
- Fang nun langsam an, dich auf den sogenannten Anapana Spot zu konzentrieren, den Bereich zwischen deiner Nasenspitze und der Oberlippe. Bleibe mit deinem Fokus genau hier und beobachte während deiner Meditation, wie die Luft durch deine Nase ein- und ausströmt.
- Du wirst immer wieder bemerken, dass aufkommende Gedanken deinen Fokus davontragen. Sobald dir auffällt, dass deine Aufmerksamkeit nicht mehr auf dem Anapana-Spot liegt, bringe sie langsam wieder zurück. Immer und immer und immer wieder.
Last but not least: Überfordere dich nicht
Nur weil andere es schaffen, 20 Minuten tiefenentspannt im Lotussitz zu meditieren, heißt das nicht, dass du von 0 auf 100 einsteigen musst. Fang langsam an (2-3 Minuten) und steigere dich zunehmend, bis du ein Intervall erreicht hast, das du angenehm praktizieren kannst. Die Betonung liegt hierbei auf angenehm, denn der Versuch, etwas zu erzwingen, ist meist zum Scheitern verurteilt. Viel Spaß beim Umsetzen!
Fazit
Wie meditiert man richtig, ist leicht zu beantworten: So dass es dich nicht überfordert. Denn das wird dazu führen, dass du es schnell wieder sein lässt. Doch die wahre Magie der Meditation liegt in der Wiederholung. Deswegen empfehle ich dir, mit einer einfachen und ruhig auch kurzen Meditation zu beginnen und dich eventuell nach und nach zu steigern. Die Apana-Meditation in diesem Artikel eignet sich dafür ganz ausgezeichnet. Eine weitere Form der Meditation zeige ich dir in meinem Yoga-Kit – schau gerne mal rein!
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