Krank sein verknüpfen die meisten Menschen mit im Bett liegen, sich ausruhen, viel trinken und maximal eine Hühnersuppe essen. Aber ist das wirklich immer so?
Nicht unbedingt. Es ist tatsächlich wissenschaftlich belegt, dass der Körper bei Infektionen mehr Energie verbraucht als im normalen Alltag, denn Entzündungsprozesse kosten Kraft und unser Immunsystem läuft auf Hochtouren.
Bei manchen zeigt sich genau das in einem veränderten Verlangen rund ums Essen: weniger Lust auf reguläre Mahlzeiten, vor allem auf Gewürztes, aber dafür ein verstärkter Hunger auf Hochkalorisches, wie Süßes, das schnell Energie liefert. Nicht alle Menschen erleben das so, aber es kommt häufiger vor als man denkt.
Warum Heißhunger auf Süßes bei Krankheit normal ist
Selbst wenn du mit einer Erkältung auf der Couch liegst, bedeutet Krankheit für den Körper immer Dauerstress. Und Stress löst eine ganz konkrete Reaktion aus: Er schüttet das Stresshormon Cortisol aus. Cortisol hat unter anderem die Aufgabe, unserem Körper schnell Energie bereitzustellen, indem es den Blutzucker anhebt. Das passiert in Wellen, immer dann, wenn der Körper gerade aktiv kämpft. Und jedes Mal, wenn der Cortisolspiegel wieder absinkt, fällt der Blutzucker mit ab, was einen der stärksten Auslöser für Heißhunger auf Süßes darstellt.
Hinzu kommt noch ein Faktor, der oft übersehen wird: Dehydration. Krank sein bedeutet häufig, zu wenig zu trinken und unser Körper verwechselt Durst oft mit Hunger. Was sich also manchmal als Heißhunger anfühlt, kann durchaus auch ein Signal nach mehr Flüssigkeit sein.
Kann Nährstoffmangel bei Krankheit Heißhunger auf Süßes auslösen?
Ja, und das wird häufig unterschätzt. Wenn der Körper kämpft, verbraucht er bestimmte Nährstoffe schneller als sonst. Magnesium zum Beispiel wird bei Stress und Entzündungen verstärkt verbraucht und ein Magnesiummangel kann sich direkt in Verlangen nach Schokolade äußern, denn Schokolade enthält relativ viel Magnesium. Auch Vitamin B und Zink spielen eine Rolle, da sie am Energiestoffwechsel beteiligt sind und bei Infektionen schnell zur Neige gehen können.
Das bedeutet nicht, dass du bei jeder Erkältung Nahrungsergänzungsmittel schlucken musst. Aber es erklärt, warum dein Körper bei Krankheit manchmal sehr gezielt nach bestimmten Dingen verlangt.
Wann Heißhunger auf Süßes bei Krankheit ein Zeichen für etwas Tieferes ist
Neben den körperlichen Ursachen für vermehrte Gelüste gibt es noch eine Reihe an Gründen, die vor allem für Menschen, die emotional essen, eine Rolle spielen.
Süßes erhöht kurzfristig den Serotoninspiegel, unser Wohlfühlhormon. Wenn wir uns krank, schlapp und niedergeschlagen fühlen, sucht der Körper instinktiv nach diesem Stimmungsboost. Das ist erstmal ganz normal, aber genau hier beginnt für viele Menschen der Übergang von körperlichem zu emotionalem Hunger.
Denn Kranksein hat etwas sehr Besonderes: Vieles, womit wir uns im Alltag identifizieren, fällt plötzlich weg. Die Arbeit, die Produktivität, aber auch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und gebraucht zu werden. Wir sind schwächer, abhängiger und vor allem auch hilfloser als sonst. Und was viele Menschen dabei unterschätzen: Die meisten von uns haben schlicht nicht gelernt, nichts zu tun. Einfach da zu sein, ohne konkrete Aufgabe und ohne produktiven Output. Und genau das macht das Nichtstun so unangenehm. Denn wenn wir nicht beschäftigt sind, wenn die Ablenkungen des Alltags wegfallen, werden wir oft mit Dingen konfrontiert, die wir sonst gekonnt überhören: Gedanken, Gefühle, innere Unruhe oder auch die Frage, ob wir eigentlich okay sind.
Die Tage können sich dann endlos anfühlen, die Struktur fehlt und irgendwann landet man fast automatisch in der Küche.
Und genau in diesem Moment greifen viele Menschen zu Süßem, nicht weil der Körper Energie braucht, sondern weil uns etwas fehlt, das wir nicht wirklich benennen können. Essen scheint hier naheliegend zu sein, denn es gibt uns kurz das Gefühl von Trost, Wärme und einem kleinen Moment der Freude.
Wenn du merkst, dass du bei Krankheit besonders stark zu Süßem greifst und dich danach nicht besser, sondern eher leer fühlst, dann lohnt es sich genauer hinzuschauen. Dabei geht es nicht um Kontrolle, sondern darum, besser zu verstehen, was in dir gerade nach Aufmerksamkeit ruft.
Was du tun kannst
Bevor du zur nächsten Süßigkeit greifst, halte kurz inne. Sei neugierig und frag dich: Bin ich körperlich erschöpft und brauche Energie in Form von Essen? Oder fühle ich mich einsam, überfordert und kann den Moment nur schwer aushalten, weswegen ich mich nach Ablenkung durch Essen sehne?
Wenn es körperlich ist, darf es die Schokolade sein und zwar ohne Schuldgefühle.
Wenn es emotional ist, könnte es helfen zu fragen, was du dir gerade eigentlich wünschst. Mit realistischem Blick darauf, dass du deinen Krankenstand nicht mit Fingerschnippsen wegzaubern kannst. Doch wir haben oft mehr Möglichkeiten, uns etwas Gutes zu tun, als wir gedanklich zulassen. Brauchst du Wärme, Ruhe oder vielleicht sogar Ablenkung? Manchmal hilft eine Wärmflasche, das bewusste Ausschalten deines Handys, da dir das sinnlose Rumscrollen die letzte Energie raubt, oder ein Anruf bei jemandem, dem du vertraust. Vielleicht ist es auch einfach ein Film, der dich ein bisschen aus dem Kopf holt. Erlaub dir wirklich hinzuhören und sei dann besonders gut zu dir.
Und wenn du merkst, dass dieses Muster sich bei dir wiederholt, nicht nur bei Krankheit, sondern immer dann, wenn du unter Druck stehst, erschöpft oder allein bist, dann könnte das ein Hinweis sein, dass da etwas Tieferes nach Aufmerksamkeit ruft. Wenn wir krank sind kommt es einfach nur mehr zu Tage, weil wir weniger abgelenkt sind.
Häufige Fragen zu Heißhunger auf Süßes bei Krankheit
Warum habe ich bei Erkältung Heißhunger auf Süßes?
Bei Infektionen verbraucht dein Körper mehr Energie als sonst. Gleichzeitig schüttet er Cortisol aus, was den Blutzucker zum Schwanken bringt. Diese Schwankungen sind einer der stärksten Auslöser für Heißhunger auf Süßes. Dazu kann auch Dehydration eine Rolle spielen, denn der Körper verwechselt Durst häufig mit Hunger.
Ist Heißhunger auf Süßes bei Krankheit normal?
Ja, und du musst dich dafür nicht schlecht fühlen. Es ist eine biologische Reaktion deines Körpers auf erhöhten Energiebedarf und Stress. Wenn du merkst, dass du aber danach immer leer oder schlechter fühlst, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Kann Nährstoffmangel bei Krankheit Heißhunger auf Süßes auslösen?
Ja. Vor allem Magnesium wird bei Infektionen und Stress schneller verbraucht und ein Mangel kann sich in Verlangen nach Schokolade äußern. Auch Vitamin B und Zink spielen eine Rolle.
Was kann ich gegen Heißhunger auf Süßes bei Krankheit tun?
Trink ausreichend, denn oft steckt Durst dahinter. Frag dich, ob der Hunger körperlich oder emotional ist. Und wenn es emotional ist, schau, was du wirklich brauchst: Wärme, Ruhe, Ablenkung oder Verbindung zu jemandem.
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